Weshalb wir von "Freier Software" sprechen sollten

Open Source Software ist heute stark verbreitet und kaum mehr aus unserem digitalen Alltag wegzudenken. Sei es als Rückgrat des Internets oder als Grundlage für das weltweit verbreitete Smartphone-Betriebssystem Android - wir alle benützen im Alltag Open Source Software und sind uns dessen oft gar nicht bewusst. Der offene Quellcode ermöglicht es Firmen, im Bereich der IT-Infrastrukturen effizient zusammenzuarbeiten und danach individuelle Geschäftsmodelle darauf aufzubauen. Leider heutzutage noch mehrheitlich mit unfreier Software.

“Open Source” bedeutet, dass der Quellcode eines Programms (die für Menschen lesbare Form einer Software) für deren Nutzer zugänglich ist und unter gewissen Bedingungen verändert und/oder weiterverbreitet werden darf. Auf die Freiheiten der Benutzer bezogen unterscheiden sich dabei Open Source Lizenzen grundlegend durch die Copyleft-Klausel: Lizenzen mit einem Copyleft stellen sicher, dass die Software “frei” bleibt. Das bedeutet, dass jedem Benutzer die vier wesentlichen Freiheiten gewährt werden:

  • Die Freiheit, das Programm auszuführen wie man möchte, für jeden Zweck
  • Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Bedürfnissen der Datenverarbeitung anzupassen (bedingt Zugang zum Quellcode)
  • Die Freiheit, das Programm weiter zu verbreiten und damit seinen Mitmenschen zu helfen
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert

Quellcode mit einer (sog. permissiven) Lizenz ohne Copyleft darf auch in proprietäre (“unfreie”) Programme integriert werden. Als Benutzer (Firma, Organisation, öffentliche Verwaltung) entsteht so eine hohe Abhängigkeit zum Anbieter (Lock-in Effekt). Dabei ist die Unabhängigkeit und die Möglichkeit zur Selbstorganisation ein wesentliches Motiv für neue Formen der Zusammenarbeit, offene Geschäftsmodelle und “freie” Innovationen. Um diesen Unterschied hervorzuheben, sollten wir von freier Software anstatt bloss von Open Source sprechen.

Freie (“Frei“ im Sinne von “Freiheit“, nicht “Freibier“) und quelloffene Software hat das disruptive Potenzial, um von proprietären (“unfreien”) Software-Anbietern dominierte Märkte zu erobern. Obschon die Idee von freier Software schon rund dreissig Jahre alt ist, trifft sie den heutigen Zeitgeist der Sharing-Economy und NewWork. Nun geht es darum, rund um offene Plattformen (mit freier Software) Netzwerke und Ökosysteme für die neuen Formen der Zusammenarbeit und [echte Open Innovation] aufzubauen. Auch dafür braucht es mehr digitale Kompetenz in Politik, Wirtschaft und Verwaltung.